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  • Nicole Battefeld

Kaffee Klatsch



Tachchen,


mein Name ist Nicole und ich möchte euch ein bisschen über Kaffee erzählen. Aber warum solltet ihr eigentlich auf mich hören? Ich meine, da kann ja jede kommen und euch vom Pferd erzählen!


Deshalb möchte ich mich gerne erstmal vorstellen.


Ich habe bereits früh mit Kaffee angefangen. Nachdem ich 2006 mein Abitur gemacht hatte, wollte ich erstmal ein Jahr arbeiten, Erfahrung sammeln, erstes eigenes Geld verdienen. Somit habe ich mich einfach in dem für mich damals besten Café in meiner Heimatstadt Görlitz beworben und los ging die wilde Fahrt. Das Equipment war sensationell. Wir hatten eine la marzocco GB 5 und Mazzer Mühlen mit Vorratsbehälter, was zu der Zeit absoluter Standert war in vielen Läden. Meine damaligen Chefs waren selber recht jung und passioniert. Ich liebte die Atmosphäre, die Kunden, die Sorgfalt und den Focus auf Qualität. Der Anfang war gemacht und ich war infiziert. Kaffee bekam eine neue Bedeutung für mich. Nicht nur ein Getränk sondern eine Emotion, ein Lebensgefühl.

Meinen Eltern zu Liebe versuchte ich dann aber doch was Ernsthaftes zu studieren… Diplom Verwaltungswirtin im nicht technischen gehobenen Dienst. Ähm ja. 8 Monate lang habe ich versucht brav mein Studium zu verfolgen, hatte sogar einen guten Schnitt, war aber totunglücklich.


Was tun? Ich zog wieder zurück nach Görlitz und jobbte noch ein wenig in dem Café in dem ich mich so zu Hause fühlte.


Barista ist allerdings kein besonders anerkannter Beruf und die Kleinstadt bot mir wenig Raum um mich zu Entfalten. Eins stand fest, ich wollte in der Gastronomie bleiben, beschloss eine Kochausbildung anzufangen (kochen konnte ich nämlich noch nicht), zog Hals über Kopf nach Berlin und das Abenteuer nahm seinen Lauf. Ich arbeitete mit wahnsinnig talentierten Köchen zusammen, alle samt auf Sterneniveau und passionierte Irre. Die Tage wurden länger. Das Pensum immer mehr. Um 10 Uhr auf Arbeit. Um 2 Uhr Nachts fertig mit putzen. Es war die Phase die mich am meisten persönlich prägte. Wie viel kann man schaffen, aushalten, ich lernte Tricks wie ich den fliegenden Pfannen ausweiche und meinen Kollegen verbal Kontra bieten konnte. Aber was mich immer nervte war der Fakt, dass sie nun mal besser, schneller waren als ich. Der Ehrgeiz fraß mich auf. Und ich sehnte mich immer nach meinem Café zurück.


Nach insgesamt 4 Jahren in der Küche hing ich meine Schürze an den Nagel und ging in eine kleine Rösterei in Berlin. Wieder einigermaßen in der Materie angekommen hatte ich aber immer noch diesen Ehrgeiz in mir. Ich habe mit Sterneköchen gearbeitet. Sowas muss es doch auch in der Kaffeeszene geben!


Und somit stand ich vor fast 4 Jahren vor der Röststätte. Ich war wahnsinnig nervös. Denn ich wusste, das hier ist ein ganz anderes Level. Egal was ich bis jetzt wusste, mir zu großen Teilen selbst beigebracht hatte, alles nichtig. Ich musste noch mal bei Null anfangen.

Ich fing an der Kasse an, war auch viel an der Spüle und im Service. Nach einiger zeit und penetrantem Nerven meinerseits erklärte mir mein Chef, wie der Röster funktioniert. Ich studierte die Profile und röstete meine ersten Chargen. Auch an der Bar ging es voran. Ich durfte mehr und mehr an die Maschine und jedes Mal war ich so nervös. Bloß nichts verschütten, clean arbeiten, Qualität halten mit dem Willen sie zu verbessern. Ich lernte Kaffee zu cuppen. Was ist natural? was washed? Wie schmeckt ein Brasilianer unterschiedlich von einem Kenianer? Meine Sensorik verbesserte sich und wieder hing ich über Büchern um all das zu verstehen was ich da eigentlich mache. Ich verstand wie riesig das Feld Kaffee ist. Und fühlte mich wie eine 5 Jährige vor dem Süßigkeiten Geschäft. Und nebenan war gleich der Spielzeugladen, da auch das technische Equipment mich immer mehr in seinen Bann zog.


Weihnachtsfeier 2015. Bomben Stimmung. Und ich leicht einen im Tee. Mein Chef fragte in die Runde ob sich jemand zutrauen würde mal an einer Meisterschaft teilzunehmen. Ich hob die Hand mit den Worten: klar, kann ja so schwer nicht sein…….

Ich hatte ja keine Ahnung.


Meine erste Meisterschaft bestritt ich 2016. Ich war unglaublich nervös und wurde auf Anhieb zweite. Es war verrückt. Und dann kam es, das Gefühl: ich habe den richtigen Weg eingeschlagen.


Ich wollte mehr. Ich wollte aus meinen Fehlern lernen und beim nächsten Mal alle von den Socken hauen. Die darauffolgende Meisterschaft fand Ende Februar 2018 statt, da es 2017 kein passendes Datum gab. Ich trainierte wie eine Verrückte. Konzepte, Ideen, Abläufe, alles sollte passen.


Und dann war es soweit. Die erste Runde lief nicht unbedingt glatt, doch ich schaffte es bis ins Finale. Die letzten Momente vor meinem Auftritt war ich unendlich ruhig. Ich wollte nicht mehr nervös sein. Nicht mehr angespannt. Ich wollte Spaß haben. Und Anderen eine gute Zeit bereiten. Das Produkt präsentieren und ich wollte, dass die Jury mit so großen Augen schaut wie ich, wenn ich über Kaffee rede.

Die Siegerverleihung war surreal. Ich habe gewonnen und konnte es einfach nicht fassen. Deutsche Meisterin.


Und jetzt möchte ich mit diesem blogg erreichten das genau diese Faszination, die jeden Zentimeter meines Körpers mit Gänsehaut bedecken kann, die Faszination für Kaffee, Maschinen und Geschmack für euch greifbar wird und ihr euch anstecken lasst.


Habt Spaß beim Lesen, eure Nicole.

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